Textreihe Teil 3: Gesamtaufwand (Kapitel 2)

Ich würde die neuen Kapitel einzeln hier vorstellen, um sie so leichter diskutieren zu können. Das Kapitel Gesamtaufwand soll das zweite Kapitel des neuen dritten Teils werden. Das erste Kapitel heißt „Aufwandsbestimmung“ und soll sich 1. darum drehen, wie der Aufwand bestimmt werden kann (bzw. was die Probleme dabei sind) und 2. dass die Einheit des Aufwandes nicht feststeht. Im Text arbeite ich jetzt mit „Zeit“ als Einheit des Aufwandes, will das aber wirklich in Kontext stellen, da ja „Energie“ z.B. genauso genommen werden könnte. Ich hoffe damit die Diskussion mit dir, @HomoVitalis, ausreichend zu berücksichtigen - aber das können wir ja auch nochmal besprechen, wenn das entsprechende Kapitel fertig ist bzw. jetzt dann weiterdiskutieren. Aber das nur als Voranmerkung, damit das nicht allzusehr anstößt, dass jetzt „Zeit“ als Einheit genommen wird.

Ich würde mich über Rückmeldungen sehr freuen. Und wenn ihr Fehler in Rechtschreibung und/oder Grammatik fehlt, dann editiert bitte den Beitrag und hebt die Wörter fett hervor. Merci! (Wenn Leerzeichen zuviel sind kommt das übrigens vom reinkopieren in Discourse - das ist okay so.)

Zur einfacheren Lesbarkeit noch als pdf:

Gesamtaufwand

Wenn wir den Aufwand einer einzelnen Tätigkeit kennen, dann können wir auch den gesamten Aufwand herausstellen, welcher für eine bestimmte Bedürfnisbefriedigung notwendig ist. Vorausgesetzt natürlich, sämtliche Tätigkeiten des Prozesses sind als Tätigkeitsmuster erfasst. Wie im entsprechenden Kapitel vorgestellt wird dabei die Auswahl und Anordnung von Tätigkeitsmustern eine →Konfiguration genannt. Wenn wir dann von der Konfiguration einer Bedürfnisbefriedigung sprechen sind alle Tätigkeiten gemeint, welche die Befriedigung des Bedürfnisses umfasst, also mit dem Tätigkeitsmuster zusammenhängen, in welchem die Bedürfnisbefriedigung beschrieben wird. Und genauso kann die Konfiguration eines beliebigen Tätigkeitsmusters genommen werden, womit eben jenes Tätigkeitsmuster gemeint ist und alle Tätigkeitsmuster die beschreiben, was zur oder durch die Ausführung davon notwendig wird. Es ist also nur ein Teilbereich der Konfiguration und der Gesamtaufwand einer solchen Tätigkeit ist damit auch nur ein Teil des Gesamtaufwandes des vollständigen Prozesses zur Befriedigung des Bedürfnisses. Der Gesamtaufwand eines Tätigkeitsmusters wird im nachfolgenden Kapitel → Der Konfigurationsprozess von tragender Bedeutung sein.

Dem Gesamtaufwand wird sich folgend in drei Schritten angenähert: Erst, durch den Einfluss der lokalen Verfügbarkeit von Mitteln darauf. Dann durch die Verfügbarkeiten konkreter Personen über Mittel. Und schließlich über die Auswirkungen der Tätigkeit auf Mittel und nicht-menschliche Natur, welche über Nebenresultate des Tätigkeitsmusters festgehalten werden und Tätigkeiten zur Erhaltung bzw. Lebensförderung der Mittel nach sich ziehen können.

Lokale Verfügbarkeit von Mitteln

Falls eine Tätigkeit den Bedarf nach z.B. digitalen Mitteln (Daten) hat, auf die frei und von einer bestimmten Lokalität unabhängig zugegriffen werden kann, dann spielt der Aspekt der lokalen Verfügbarkeit von Mitteln selbstverständlich keine Rolle. Bei gegenständlichen Mitteln allerdings ist er dagegen wesentlich.

Wir abstrahieren für den Moment von den Verfügungsmöglichkeiten über Mittel und sehen uns nur an, was prinzipiell da , also für mindestens eine Beteiligte verfügbar ist. Und schon an diesem Punkt wird klar, dass es Datenbanken braucht, in denen die Mittel samt ihren Meta-Daten (Standort, Menge, Zustand, Verfügbarkeit, Absprachen zur Verwendung, etc.) eingetragen sind. Aber das Wissen darum, welche Mittel verfügbar sind, ist selbstverständlich nicht genug; es braucht noch die Möglichkeit auszuwerten, wie damit Bedürfnisse befriedigt werden können und dafür braucht es entsprechende die Tätigkeitsmuster . Tätigkeitsmuster verweisen dabei auf die Muster von Mitteln (Mittelmuster) , in ihrer Anwendung allerdings verweisen diese Muster von Mitteln dann auf (lokal) verfügbare konkrete Mittel. Und da sich Tätigkeitsmuster auch als eine Beschreibung verstehen lassen, wie Mittel durch andere Mittel ersetzt werden können, gibt es tendenziell immer mehr Möglichkeiten ein bestimmtes Bedürfnis mit lokal verfügbaren Mitteln zu befriedigen, je mehr Tätigkeitsmuster es gibt.

Wieder am Beispiel des Bedürfnisses nach einer bestimmten Form des künstlerischem Ausdrucks , welches durch Pinsel , Leinwand und Farbe befriedigt werden kann (siehe Kapitel → Konfigurationen ). Wir sind davon ausgegangen, dass eine Leinwand nicht zur Verfügung stand, weswegen das erste darauf folgende Tätigkeitsmuster die „ Herstellung einer Leinwand durch (a) Spannvorrichtung, (b) Hammer © Leinengewebe, (d) Keilrahmen und (e) Nägel“ war. Das bedeutet, das Bedürfnis nach dieser Form des künstlerischen Ausdrucks kann nicht nur durch durch Pinsel , Farbe und Leinwand befriedigt werden, sondern die Leinwand ist ersetzbar durch Leinengewebe , Keilrahmen und Nägel unter der Verwendung von Spannvorrichtung und Hammer . Und weiter angenommen dieses Leinengewebe stände nicht zur Verfügung, könnte dieses auch durch Leinengarn unter der Verwendung von Webstuhl, Scherbaum und Leinwand-Bindungspatrone ersetzt werden. Damit die Software weiß, dass so etwas möglich ist, braucht es verarbeitbare Tätigkeitsmuster und damit sich möglichst viele (dafür qualifizierte) Beteiligte dem annehmen können, braucht es in diesen Tätigkeitsmustern eine gute Beschreibung der Tätigkeiten. Nur dadurch kann das Bedürfnis nach einer bestimmten Form der künstlerischen Auslebung befriedigt werden, wenn eben auch keine Leinwand lokal verfügbar ist, aber stattdessen die Mittel Hammer, Nägel, Webstuhl, Scherbaum, Leinengarn, Leinwand-Bindungspatrone , Keilrahmen und Spannvorrichtung . Allerdings, und das ist wesentlich, bringt dieser Prozess zur Verfügbarmachung der Leinwand einen Aufwand mit sich, der nicht notwendig wäre, wenn die Leinwand zur Verfügung gestanden hätte.

Der Gesamtaufwand ist an dieser Stelle von zweierlei abhängig: Lokal verfügbaren Mitteln und verarbeitbares Wissen, wie Mittel andere Mittel ersetzen können in Form von Tätigkeitsmustern. Und durch jedes Mittel, das lokal verfügbar ist, wird der Aufwand eingespart, der ansonsten notwendig gewesen wäre, um es verfügbar zu machen. Da aber weder heute – in einer von Privateigentum erschlossenen Gesellschaft – noch im potentiellen Morgen – einer von Commoning bestimmten Gesellschaft – allen Personen alle Mittel gleichermaßen zur Verfügung stehen, müssen wir uns weiter mit den konkreten Verfügungsmöglichkeiten über Mittel auseinandersetzen und das Hinblick wieder auf den Gesamtaufwand einer Tätigkeit.

Verfügungsmöglichkeiten konkreter Personen über Mittel

Am privaten Eigentum , mit welchem im allgemeinen die Vorstellung verbunden ist, dass konkrete Personen uneingeschränkt über ihre Nutzung bestimmen können – sie also beispielsweise auch willkürlich zerstören dürfen -, zeigt sich am deutlichsten, dass es nicht nur darum geht, dass Mittel generell verfügbar sind , sondern es immer auch relevant ist, wer darüber verfügen darf . Aber privates Eigentum bedeutet dabei nicht unbedingt, dass es nur die Person nutzen darf, der es gehört. Diese Person kann Nutzungsbedingungen festlegen, für was und unter welchen Bedingungen das eigene Mittel auch von anderen genutzt werden kann. Privates Eigentum kann also immer auch für den Prozess des Commonings genutzt werden, wenn es dabei auch von Einzelnen festgelegte Nutzungsbedingungen unterliegt. In dem Fall allerdings droht den am Commoning Beteiligten ständig, wieder von der Verwendung der Mittel willkürlich ausgeschlossen zu werden.

Auch gesellschaftliche Mittel , welche immer durch einen Commoning-Prozess entstehen, sind nicht unbedingt für alle gleichermaßen verfügbar. Ihre Verwendung kann allerdings so geregelt werden, dass sie zum größten Vorteil aller ist bzw. ihre Verwendung sich fair für alle davon Betroffenen anfühlt – was auch kulturell sehr unterschiedlich ausfallen kann. Einzelne Personen oder Gruppen können auch exklusiven oder zumindest vorrangigen Zugriff auf Mittel haben, wenn das auf Augenhöhe geregelt wurde und diese Regelungen diskutiert werden können . Was uns an dieser Stelle allerdings nur interessiert ist, inwiefern sich die Verfügungsmöglichkeiten auf den Gesamtaufwand auswirken.

Nehmen wir das Tätigkeitsmuster #HstKr zur Herstellung eines Keilrahmens durch (a) Winkelsäge, (b) Holzleisten, © Nägel und (d) Werkbank. An dieser Stelle werden die Beteiligten, welche sich dem Tätigkeitsmuster potentiell zuordnen können oder wollen in Gruppen geteilt, je nachdem über welchen Bedarf der Tätigkeit sie verfügen bzw. eben nicht verfügen. Und falls sich jemand zuordnen würde, der oder die über eine Winkelsäge verfügt und sie auch zur Ausführung der Tätigkeit verwenden will , dann entfällt selbstverständlich der Aufwand der Tätigkeiten, welche eine solche Winkelsäge verfügbar machen würden. Der Gesamtaufwand der Bedürfnisbefriedigung ist also niedriger, wenn die Personen, welche sich der Tätigkeit zuordnen, über zur Ausführung notwendiger Mittel verfügen. Und inwiefern dieser Aufwand niedriger ist, ist abhängig davon, welchen Aufwand die Verfügbarmachung des Mittels nach sich zieht, wenn die Person, welche sich der Tätigkeit annehmen will, nicht bereits darüber verfügt.

Je mehr Beteiligte also über ein Mittel verfügen können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass zusätzlicher Aufwand zur Bedarfsdeckung einer Tätigkeit entfällt und desto geringer ist tendenziell der Gesamtaufwand zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses. Je mehr Beteiligte allerdings über dasselbe Mittel verfügen können, desto geringer ist tendenziell die Wahrscheinlichkeit, dass sich zuverlässige interpersonale Strukturen etablieren können, in denen spontan auf diese Mittel zurückgegriffen werden kann (siehe auch: → integrierte Zusammenschlüsse ). Eine Struktur über die Verfügungsrechte gesellschaftliche Mittel so aufzubauen, dass sie effizient zur allgemeinen Bedürfnisbefriedigung ist und diese sich für die Betroffenen auch fair anfühlt, ist daher alles andere als einfach. Dem Problem wird sich im Kapitel → Nutzungsbedingungen von Mitteln näher angenommen, ist aber grundsätzlich ein Gegenstand des → sozialen Prozesses .

Nebenresultate und Erhaltungszustände

Bisher haben wir nur mit Tätigkeiten zu tun gehabt, welche sich direkt auf vermittelte Bedürfnisse beziehen und dabei Tätigkeiten außer acht gelassen, die notwendig sind, um eben solche Tätigkeiten zu gewährleisten. Die außer acht gelassenen Tätigkeiten sind solche, die Mittel erhalten und auch diese müssen in den Gesamtaufwand zur Befriedigung eines Bedürfnisses mit eingerechnet werden. Unter Mittel fällt an dieser Stelle auch die nicht-menschliche Natur (Tiere, Wälder, Flüsse, etc.), welche eben im gesellschaftlichen Re-Produktionsprozess als Mittel zum Zweck verwendet wird bzw. davon betroffen ist. Als Teil des Lebens, welches durch Commoning gefördert werden kann und soll, muss damit allerdings anders gehandhabt werden als mit etwa Maschinen oder anderem Werkzeug. Darauf wird im Kapitel → Bedürfnisvermittlung (empathisch) weiter eingegangen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung, warum das notwendig ist: Bei der Färbung von Textilien – etwa wieder unserem Leinengarn – werden im Regelfall Chemikalien mit angewendet, welche nicht vollständig in der Textilie aufgehen, sondern teilweise im Prozess übrig bleiben und beseitigt werden müssen. Ein völlig legitimes Tätigkeitsmuster dafür könnte heißen: „ Ausschütten der Chemikalie in einen Fluss“ . Ein Fluss in lokaler Nähe vorausgesetzt, wäre der reine Aufwand dieser Tätigkeit wohl unvergleichbar geringer als etwa die „Neutralisierung der Chemikalie“ durch Aufbau und Verwendung einer Abwasserbehandlungsanlage. Der Aufwand allerdings, um die Auswirkungen der Tätigkeit „ Ausschütten der Chemikalie in einen Fluss“ wieder zu beseitigen ist deutlich höher, als wenn sich der Chemikalie direkt angenommen wird. Dieser durch die Tätigkeit entstehende zusätzliche Aufwand muss daher im Gesamtaufwand berücksichtigt werden.

Über die Nebenresultate eines Tätigkeitsmusters wird eine Verbindung zwischen den Tätigkeiten hergestellt, welche sich direkt auf die Bedürfnisbefriedigung beziehen und solchen, die erst durch die Tätigkeit notwendig werden. Nebenresultate sind dabei entweder Zustandsveränderungen von Mitteln oder neue Mittel , die im Prozess entstehen, aber keinen Bedarf einer bestehenden Konfiguration decken. Sie beziehen sich entweder direkt auf die verwendeten Mittel oder sie beziehen sich auf Teile der nicht-menschlichen Natur, welche durch die Tätigkeit betroffen sind.

Am Beispiel des Tätigkeitsmusters zur Herstellung von Leinengewebe durch Webstuhl etc. (#HstLg) : Die Nebenresultate 0- B betreffen die als Bedarf angegeben Mittel 0-b ( Raum1, Webstuhl und Scherbaum ) und verändern den Zustand dieser Mittel durch Schmutz oder Abnutzung. Der Bedarf c ( Leinengarn ) dagegen verändert seine Form im Prozess und geht einerseits im Resultat Leinengewebe auf und bleibt anderseits als Nebenresultat C ( Spule) übrig. Nur das (symbolische) Mittel Bindungspatrone Leinengewebe bleibt durch den Prozess unverändert.

Die Zustandsveränderung eines Mittels bzw. das neue Mittel selbst erzeugt allerdings noch keinen neuen Aufwand. Neuer Aufwand entsteht erst, wenn das Mittel in einen bestimmten Erhaltungszustand zurückgeführt werden soll und dieser Erhaltungszustand muss zuerst definiert werden. Die Vorstellungen und Grenzen von Erhaltungszuständen können dabei voneinander abweichen; wenn es etwa um die Sauberkeit eines bestimmten Raumes oder die artgerechte Haltung eines bestimmten Tieres geht. Die Definition des Erhaltungszustandes muss daher in einem sozialen Prozess an den konkreten Mitteln bzw. den entsprechenden Teilen nicht-menschlicher Natur vorgenommen werden.1 Tätigkeiten zur Erhaltung von Mitteln können dabei aufschiebbar oder unaufschiebbar sein, was sich schließlich auf den → Abschluss des Konfigurationsprozesses auswirkt.

Folgende Punkte sind schließlich notwendig, damit in der Konfiguration und damit auch im Gesamtaufwand die Auswirkungen der Tätigkeiten mit einbezogen werden können:

  1. Es müssen Erhaltungszustände der konkreten Mittel definiert werden.

  2. Es muss definiert werden, wie sich Tätigkeiten auf verwendete und betroffene Mittel auswirken (Nebenresultate) und welche neuen Mittel dabei entstehen.

  3. Es muss definiert werden, welche Tätigkeiten geeignet sind, um bestimmte Mittel wieder in ihren Erhaltungszustand zurückzuführen.

Das Problem bei der Feststellung des Gesamtaufwandes einer Konfiguration ist, dass nicht genau festgestellt werden kann, wie sich denn die Tätigkeit tatsächlich auf die Mittel auswirken wird. Also, in etwa inwiefern ein Mittel durch eine Tätigkeit abgenutzt oder wie stark ein Mittel verschmutzt wird. Es muss daher auf Durchschnittswerte zurückgegriffen werden.

In der Nebenstehenden Grafik geht es wieder um die Herstellung der Leinwand (T1b1), deren Bedarf nach Leinengewebe wieder einmal nicht verfügbar ist, aber über eine einfache Ortsveränderung verfügbar gemacht werden kann (T1b1c1). Auf das vermittelte Bedürfnis bezogen wären diese beiden Tätigkeitsmuster ausreichend. Ein Nebenresultat der Leinwand-Herstellung ist allerdings die Zustandsveränderung des Raumes, welcher im Prozess schmutzig oder unordentlich werden kann. Der Raum muss also wieder zu seinem Erhaltungszustand zurückgeführt, sprich gereinigt werden (T1b1A1). Je nachdem, wie häufig bzw. wie intensiv der Raum gereinigt werden muss und wie viele andere Tätigkeiten in diesem Raum stattfinden, wird die entsprechende Tätigkeit einen unterschiedlichen durchschnittlichen Aufwand nach sich ziehen, der zum Gesamtaufwand hinzugerechnet werden muss.

In der Ortsveränderung des Leinengewebes durch einen PKW sind zwei Nebenresultate hervorgehoben: Die Abnutzung des PKWs und der Ausstoß von CO2 durch das Verbrennen von Benzin. Ersteres bezieht sich direkt auf den Zustand eines verwendeten Mittels (des PKWs), bei welchem entsprechend geregelt werden muss, wie oft dieser überprüft/gewartet werden sollte. Auch hier werden auf das jeweilige Modell bezogene Durchschnittswerte benötigt, die sich mit der Zeit einpendeln können. Wenn sich ergibt, dass für ein bestimmtest Modell alle 10.000km Reparaturen ergeben, die im Durchschnitt und unabhängig von der konkreten Form der Reparatur 10 Stunden andauern, dann kann dieser anteilige Aufwand der Verwendung des PKWs gemäß der gefahrenen Strecke der Tätigkeit T1b1c1 zugeschlagen werden.

Der Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre betrifft prinzipiell alle Menschen und von der Regelung des Erhaltungszustandes der Atmosphäre darf daher niemand strukturell ausgeschlossen sein; was schließlich einen → sozialen Prozess einer besonderen Art notwendig macht. Wenn aber ein solcher Erhaltungszustand definiert wurde, dann braucht es immer eine Tätigkeit, welche den CO2-Pegel wieder senkt, falls er durch eine Tätigkeit steigt. Und der Aufwand dieser Tätigkeiten zur Reduzierung des CO2-Wertes muss also zum Aufwand der Tätigkeit der Ortsveränderung ebenso hinzugerechnet werden. Erst so zeigt sich, welchen Gesamtaufwand der Prozess zur Befriedigung eines Bedürfnisses die Ortsveränderung des Leinengewebes (durch einen PKW) wirklich nach sich zieht.

Im Bezug auf die Nebenresultate lässt sich herausstellen, welche Tätigkeitsmuster einen vergleichsweise geringen Gesamtaufwand mit sich bringen:

  1. Tätigkeitsmuster, die auf langlebige Mittel zurückgreifen.

  2. Tätigkeitsmuster, die auf Mittel zurückgreifen, welche leicht in ihren Erhaltungszustand zurückgeführt werden können.

  3. Tätigkeitsmuster, bei deren Ausführung tendenziell wenig und bevorzugt leicht recycelbaren Müll produziert wird.

  4. Tätigkeitsmuster, deren Ausführung energiesparend ist.

Durch den Einbezug der Nebenresultate einer Tätigkeit und den entsprechenden Erhaltungszustand von Mitteln, ist ein unaufwändige Konfiguration auch tendenziell eine nachhaltige Konfiguration. Da im → Konfigurationsprozess der Aufwand von Tätigkeiten ausschlaggebend zur Freischaltung von Tätigkeitsmustern ist, kann hierdurch eine gesellschaftliche Bewegungstendenz zur vermehrten Ausführung von Tätigkeiten mit genau diesen Eigenschaften entstehen.

 

1 In den Mittelmustern können selbstverständlich Vorlagen gespeichert sein, mit denen sich die Erhaltungszustände der konkreten Mittel, welche diesen Mittelmustern untergeordnet sind, leichter definieren lassen.

1 Wie im zweiten Teil der Textreihe angemerkt, wird von dem „Raum“ als Bedarf der Einfachheit halber meist abstrahiert, wodurch allerdings in den Konfigurationen notwendige Tätigkeiten wie „Putzen“ unsichtbar bleiben. In der Software selbst werden derlei Tätigkeiten wie selbstverständlich sichtbar, wenn auch im weiteren Verlauf der Textreihe weiter von deren Darstellung abgesehen wird.

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Zusammenfassung Gesamtaufwand

Der Gesamtaufwand einer einzelnen Tätigkeit ist der Aufwand der Tätigkeit selbst + der Aufwand der Tätigkeiten, welche notwendig sind um ihren Bedarf verfügbar zu machen + der Aufwand der Tätigkeiten, welche notwendig sind, um verwendete Mittel (sowohl von der Tätigkeit selbst als auch von den Tätigkeiten der Bedarfsdeckung) wieder zu ihrem Erhaltungszustand zurückzuführen .

Der Gesamtaufwand der Tätigkeit, welche das Bedürfnis befriedigt , ist der Gesamtaufwand der ganzen Konfiguration (Grafik: T1). Da solche Tätigkeiten durch die Person mit dem Bedürfnis ausgewählt werden (→ Bedürfnisvermittlung) und diese die erstrebte Bedürfnisbefriedigung selbst sind (z.B. die Tätigkeit des Malens oder die Tätigkeit des Essens ), wir ihnen im Regelfall selbst kein Aufwand zugeschrieben, während sie allerdings durch Nebenresultate einen Gesamtaufwand tragen könnten. Der Gesamtaufwand einer jeden Tätigkeit dagegen, welche einen Bedarf dafür deckt, ist der Aufwand eben dieser Tätigkeit einschließlich aller daraus hervorgehenden Tätigkeiten – sowohl also der Gesamtaufwand auf Seiten der Nebenresultate als auch der Gesamtaufwand auf Seiten der Bedarfe (Grafik: T1b11). Und der Gesamtaufwand einer Tätigkeit, welche den Bedarf einer anderen Tätigkeit deckt, ist demnach immer niedriger als der Gesamtaufwand der vorhergehenden Tätigkeit, da der Gesamtaufwand eben jener nachfolgenden Tätigkeit bereits dort mit eingeschlossen war ( z.B. T1b1c1 bei T1b1).

Wie auch in der nebenstehenden Grafik abgebildet, können durch Nebenresultate angestoßene Erhaltungs-Tätigkeiten (T1b1A1) ebenfalls Nebenresultate mit sich bringen. Der Aufwand jeder neuen Tätigkeit, welche hierdurch notwendig wird (z.B. T1b1A1A1), ist damit immer auch Teil des Gesamtaufwandes der Tätigkeit, von welcher das erste Nebenresultat abging (T1b1). Die von Nebenresultaten abgehenden Ketten können daher sehr lange werden. Und wenn das auch als unnötig kompliziert erscheinen mag, spiegelt es doch die Realität des gesellschaftlichen Re-Produktionsprozesses wieder, dem wir uns durch die Struktur der Software annähern können.

 

1 Der Gesamtaufwand von T1 und T1b1 ist gleich, da für T1 kein weiterer Bedarf verfügbar gemacht werden muss und die Tätigkeit auch keine Nebenresultate hat.

Habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Sorry! Muss auch sehen, wann/ob ich noch (rechtzeitig) vor Deiner Veröffentlichung zum (Korrektur-)lesen des Textteiles kommen könnte. Zunächst habe ich nur das erste Kapitel „Aufwandsbestimmung“ gelesen, was ja für mich auch besonders spannend ist.

Ich habe versucht, meinen Standpunkt noch einmal als Text zu verfassen. Der ist nicht unbedingt perfekt, aber mehr Zeit möchte ich gerade nicht mehr investieren. Nach dem Korrekturlesen werde ich den wohl zeitnah auf Keimform setzen…

Die zentrale Frage dreht sich meiner Meinung nach hierum:

In Fragen, welche die Gesellschaft betreffen werden nur die Teile der Natur betrachtet, welche Gesellschaft hervorbringen können, sprich: die Menschen und die nicht-menschliche Natur werden aus dieser Perspektive als getrennt betrachtet.

Siehe auch Marx im ersten Band seines Kapitals: „Die einfachen Momente des Arbeitsprozesses sind die zweckmäßige Tätigkeit oder die Arbeit selbst , ihr Gegenstand (Resultat, M.M.) und ihr Mittel (Bedarf, M.M.)“, MEW23, S.192. Daraus schließt sich – wenn es sich nicht von selbst ergeben sollte -, dass der Mensch in seiner gesellschaftlichen Tätigkeit von den ihn umgebenden Mitteln isoliert betrachtet werden muss.

Liegt darin nicht ein - wenn nicht das - grundlegende Problem? Wir sind nicht gerennt von der Natur, auch wenn man das so betrachten will! Nur in unserer gegenwärtigen Gesellschaftsform, die Marx auch in dieser Hinsicht korrekt analysiert hat, wird das so angenommen… Dort, wo wir hinwollen, ist das jedoch aus meiner Sicht einfach falsch. Denn dort schließt „die Gesellschaft“ eben auch die nicht-menschliche, jedoch lebendige Mitwelt mit ein.

Vielleicht liege ich mit meiner Perspektive ja auch völlig falsch und ich denke gerade auch nicht, dass das jetzt für den Textteil dramatische Konsequenzen hätte. Er müsste dann nur ergänzt werden… Ich möchte es jedenfalls (auch an anderer Stelle) zur Diskussion stellen und dann werden wir sehen, wie die Resonanz darauf ist.

Ich finde das sehr gut, besonders auch, dass es an anderer Stelle zur Diskussion gestellt wird. Als Autor der Textreihe habe ich ein gewisses „Machtmonopol“ wenn es um die Theorie geht und ich kann/will persönlich nichts hinein bringen, das ich nicht selbst begründen kann. Das das problematisch ist und ich wohl auch oft falsch liege, sehe ich auf jeden Fall.

Für die Homepage würde ich vorschlagen, dass wir Ergänzungen, Gegenmeinungen, Dabettentexte, etc. immer auch gleichwertig den Artikeln anhängen, um so transparent zu machen, dass es auch im Rahmen des Projektes andere Meinungen gibt. Vielleicht führt es dann auch dazu, dass Entwickler:innen die Software irgendwo anders umsetzen, als ich mir persönlich das vorstelle. Was etwas Gutes ist.

Falls sich dein Text auf meinen direkt bezieht, würde ich persönlich allerdings warten, bis dieser hier veröffentlicht ist - und da fehlen bisher auch noch Kapitel und ist auch noch nicht überarbeitet. Aber sich darauf beziehen, bevor er überhaupt öffentlich lesbar ist (außerhalb des Forums) fände ich komisch für die Debatte. Aber ganz wie du möchtest natürlich.

So, nun habe ich es endlich geschafft und meinen Text dazu online gestellt:

Mal sehen, ob und welche Reaktionen er hervorruft.

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